Tauchclub Neptun Muttenz

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Home Berichte Clubtauchgänge Club-Weekend am Bodensee, 2.-3. April 2016

Club-Weekend am Bodensee, 2.-3. April 2016

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Für dieses Frühlingswochenende wurde uns von Meteo-Schweiz den schönsten Sonnenschein und Temperaturen bis zu 21 Grad Celsius versprochen, was uns alle freute und die eher recht kühlen Warteminuten beim Treffpunkt auf dem Parkplatz in Rheinfelden zumindest mental etwas erwärmte. Doch 30 Minuten nach unserem Eintreffen und den herzlichsten Begrüssungen aller Teilnehmer hatte schlussendlich ein jeder einen Platz für sich und seine Ausrüstung in einem der sieben beheizten Wagen ergattert. So traten wir – Dieter, Alexander, Urs, Adrian, grosser Stefan, Yvonne, Remo & Irene, Olivier & Ursi, Maurice & Lilli, Remi & Tamara mit Sohnemann Noa und ich – unsere Reise an.

Dank modernster Navigierungs- und Telekommunikationsgeräten trafen wir uns nach knapp zweistündiger Fahrt und gefühlten nicht-mehr-endenden Grenzübergängen wieder am Überlinger See beim Camping Klausenhorn in Dingelsdorf. Ich kann nicht sagen, dass mir die lange Anfahrtszeit wirklich erlaubte, die ganze Nervosität für meinen ersten Clubtauchgang (und auch das erste Abenteuer ohne Tauchlehrer) abzulegen. Auch meine teils komplett neue, teils ausgeliehene und teils schlechtsitzende und unbequeme Ausrüstung verhalf nicht unbedingt dazu, dass ich mich im folgenden Abenteuertauchgang bedeutend wohler und selbstsicherer gefühlt hätte. Die sportliche Wanderung vom Parkplatz bis zum Abtauchen neben der Sandbank, die sich als trockenliegende Insel entpuppte, erlaubte uns allen noch die gespeicherte Energie der längst verdauten Osterhasen abzubauen. Schon beim ersten Wasserkontakt bemerkte ich, dass mein Blei eher suboptimal verteilt war und dass dem potenziellen Spielraum zu einer perfekten Tarierung noch keinerlei Grenzen gesetzt sind. Während dem Abstieg flutete meine Brille, wie gewohnt, ständig, sodass ich sie jede Minute wieder auspusten musste. Auch das herumrutschende Jacket nervte mich tierisch. Obwohl manches gegen einen genussvollen Tauchgang sprach, versuchte ich mich so gut wie möglich zu entspannen und nach den „règles de l’art“ zu tauchen, wie ich es gelernt hatte. Durch den zunehmenden Druck der Tiefe musste ich etwas Luft in meinen fabrikneuen Trocki einlassen, als ich (trotz extrem isolierender Kopfhaube) plötzlich einen starken und nicht mehr abbrechenden Gasausstrom von meiner Ausrüstung hörte. Sofort alarmierte ich meinen Buddy und versuchte ihm zu verstehen zu geben, dass meine Ausrüstung ein abnormales ssssss-Geräusch produziert. Spontan habe ich in Bruchteil von Sekunden meinen Anzug auf ein Leck abgesucht. Zur Problembehebung entschloss ich mich, meine beiden Luftautomaten nacheinander nach unten zu kippen, um ein allfälliges unkontrolliertes Abströmen anzuhalten. Für unsere Sicherheit war mir jedoch wichtig, dass mein Buddy Dieter mir bei diesem Versuch dabei zusah. Meine Grundidee war gut – glaube ich. Doch bei der Durchführung entstand ein Problem, auf das ich absolut nicht gefasst war, dass es eintreffen würde/könnte: mein Hauptlungenautomat vereiste und blockierte total, sodass ich zwar in den Hauptlungenautomat einatmen konnte, der aber nicht das geringste Luftbläschen ausspuckte, wie wenn mir jemand unbemerkt die Flasche zugedreht hätte.

Hätte ich mir mehr Zeit gelassen, um mit dem Oktopus mehrere Luftzüge tief einzuatmen, so hätte ich noch genügend Luftreserve gehabt, um entspannt überlegen und reagieren zu können. Da ich mit ihm zuvor jedoch nur kurz und oberflächlich eingeatmet hatte, verbaute ich mir unwiderruflich die Möglichkeit klar zu denken, denn mein Körper schaltete in den Not Modus: denn aus dem Schwimmtraining wusste ich aus Erfahrung, dass mir gerade noch genügend Kraft und Zeit zur Verfügung stand, um die 9,7 Meter oberhalb meines Kopfes notfalls durch ein Apnoetauchen zu bewältigen. (Dummerweise erwies sich diese Distanz im Nachhinein jedoch als grösser). Zeitgleich zu diesem Gedankengang versuchte ich meinem Buddy das Zeichen „out of air“ zu geben, um auf meine ernste Lage hinzuweisen, doch ich war nicht mehr im Stande, mich an das Notzeichen zu erinnern. Ich erlitt einen bedrohlichen Luftmangel und eine akute Erstickungsangst, auf welche ich ohne Zeitverlust reagieren musste!! Da ich nicht mehr in der Lage war, meinen Oktopus bewusst einzusetzen oder jenen meines Buddys zu finden oder einzufordern, entschloss ich mich aufzutauchen, um zur Luft an der Oberfläche zu gelangen – aber genau wissend, dass eine Selbstrettung eigentlich den gelernten Tauchregeln widerspricht. Im Nachhinein kann ich niemandem einen solchen Notaufstieg empfehlen, wenn er sich irgendwie vermeiden lässt!

Ich habe aus dem Ereignis gelernt, wie wichtig es ist, seine eigene, vertraute Ausrüstung zu besitzen, damit es einem leichter fällt in sie und sich selber ein gesundes Vertrauen aufzubauen. Mir ist aber auch bewusst geworden, wie enorm wichtig die Unterwasserkommunikation ist. Was nützt es, wenn man volles Vertrauen in den Buddy hat, ihm aber nicht mitteilen kann, um was genau es geht und wie ernst die Lage ist? Gelernt habe ich auch, dass die gelbe Farbe vom Oktopus theoretisch bedeuten soll: „hier kommst die rettende Luft“, dass diese Notquelle aber auch eine andere Farbe haben kann, sie aber schwieriger zu finden ist und deshalb beim Buddy-Check einer speziellen Aufmerksamkeit bedarf!!! Persönlich hätte mir in der Situation geholfen, wenn ich durch eine kurze Luftdusche gesehen/gespürt hätte, dass aus dem mir für den Aufstieg zur Verfügung gestellten Atemregler Luft herausströmt, die ich einatmen kann/darf. Ein zusätzlicher konstanter Blickkontakt zum Buddy und sein Handzeichen zum „ruhigen ein und ausatmen“ hätten mich sicher auch davon abgehalten mein Aufstiegsmanöver zu veranlassen. Da ich voll konzentriert an meine körperlichen Grenzen gehen musste, war ich so mit mir selbst beschäftigt, dass ich nicht mitbekommen habe, dass mein Buddy beim Aufstieg stets bei mir war. Als ich jedoch an der Oberfläche um Atem rang und seine Anwesenheit wieder bemerkte, wusste ich, dass ich ihm sofort ein OK Handzeichen geben musste, um ihm zu zeigen, dass sich jetzt alles wieder einrenkt.

Nach einer wohltuenden Verschnaufpause an der Wasseroberfläche haben wir unseren Tauchgang fortgesetzt. Diesmal pannenfrei und ohne Aussetzer. Dabei haben wir auf dem Schlickboden und der Felswand unzählige rote Bodenseekrebse gesichtet, deren Form mir als delikate Lobster von der amerikanischen Küche bekannt ist.

Von der Wasseroberfläche zurück zum Parkplatz gab es wieder diese Bleiwanderung, bei welcher der Pulsschlag nochmals sportlich heraufschnellte. Nach dem Umziehen dislozierten wir uns dann zu unserem zweiten Tauchgangplatz beim Hochhaus in Wallhausen, wo Dieter mir den Inflatorschlauch des Trockis weg von meinem Hauptlungenautomaten und hin an meine zweite 1. Stufe umbaute, damit zukünftig ein Einfrieren des Lungenautomaten vermieden werden kann. (Siehe dazu den Bericht der Fachstelle für Tauchunfälle .

Am Strand gab es darauf ein wohlverdientes Picknick. Während im Tauschshop unsere ersten Flaschen wieder aufgefüllt wurden, unternahmen wir unseren zweiten Tauchgang. Diesmal war der Einstieg nur wenige Meter von den Autos entfernt, jedoch nicht weniger spektakulär: direkt neben dem Kursschiffhaltesteg! –  weshalb wir ein obligatorisches Entlangschwimmen des Ufers in Kauf nehmen mussten, bevor wir abtauchen durften. Diesmal hat sich netterweise Ursi bereit erklärt, mit mir auf Erkundungstour zu gehen. Tiefenentspannt waren wir voll darauf konzentriert, kleinere Lebewesen in der Steilwand zu unserer Linken zu erhaschen, als ich plötzlich vor mir einen grösseren Fisch mit offenem Mund erblickte, der uns direkt auf Augenhöhe erwartete. Mit Freude habe ich meinen Fund Ursi mitgeteilt. Zwar war sie auf vollem Kollisionskurs mit diesem Tier, doch hat sie dies offensichtlich nicht bemerkt. Zu meinem grossen Erstaunen hat sich dieser grosse Raubfisch weniger von meinem Buddy erschrecken lassen wie dies umgekehrt heftig der Fall war. Beim näheren Hinschauen entpuppte sich der vermeintliche Süsswasserhecht jedoch als echtwirkende Haiattrappe, was wiederum das Nichtflüchten des Tieres erklärt. Ganz gemütlich ging unsere Erkundungsreise weiter. Wiederum trafen wir auf Krebse, grosse Muscheln und einzelne verirrte Babyfischlein. Es war ein toller, gemütlicher Tauchgang, doch der Schreck vom Morgen schlummerte immer noch tief in den Knochen und so war ich auch erleichtert, als er zu Ende ging und wir nach dem Flaschenauffüllen in vertrauter Strassenbekleidung uns zum Hotel dislozieren durften.

Bei kühlen Temperaturen genossen wir den Apéro auf der Hotelterrasse. Das leckere 4-Gangmenü wurde durch niedlichen Babygesang und Sprechübungen aus dem Kindersitz begleitet. Die freundliche Bedienung ermahnte uns noch spasseshalber, sie werde uns die am Abend übriggelassenen Spätzle, Orangencrêpes oder Digestifs zum Frühstück servieren.

Nach einer kurzen, tauchtraumintensiven Nacht konnte ich schläfrig beim Zmorgen den Froschmännern zuschauen, wie sie in voller Montur vor unseren Augen an der Seepromenade vorbei wanderten. (Soll jemand sagen, tauchen sei kein Aktivsport...). Wenige Minuten und Kilometer weiter handelte es sich dann bei den ausgerüstet wandelnden Neoprengestalten um Kollegen aus den eigenen Rängen. Vor mich her fröstelnd und auf die versprochene Sonne wartend schaute ich von oben her zu, wie sie zuerst die lange, steile Treppe hinunter zum Tauchplatz Überlingen-Baumarkt stiegen, um darauf im Wasser ganz zu verschwinden und so die glatte Wasseroberfläche den Seevögeln und aufsteigenden Luftblasen zu überlassen. Vom dritten Tauchgang kam mir zu Ohren, dass sich ein Dreierteam durch die faszinierende Steilwand so stark inspirieren liess, dass die Mehrzahl jener Gruppe kurzerhand willentlich die Clublimite von 30m überschritt, was später zu regen Diskussionen und Gegenargumenten führte. Andere wiederum berichteten davon, neben verschieden Fischen auf einer Tiefe von 26 Metern in einer Spalte auch eine Fünfergruppe von Aalen gesichtet zu haben. Die vorbeiziehenden Luftblasen verrieten die Ehrenrunde jenes Buddyteams, das den vorgesehenen Ausstiegspunkt verpasste...

Gerade richtig zur Oberflächenpause und dem Picknick meldete sich endlich die versprochene Sonne zurück, sodass sich alle wieder aufwärmen konnten und manche ihre Kaumuskeln spielen liessen, indem sie ihr Sandwich, stehend, mit geschlossenen Augen im Sonneneinfallswinkel von 90° verdrückten. Zum letzten Tauchgang stürzte auch ich mich wieder in meinen Trocki. Dieter und Alexander hatten sich netterweise bereiterklärt, es nochmals mit mir zu versuchen. Meine Gewichtsverteilung war diesmal bedeutend optimaler, wenn auch immer noch nicht perfekt. Zum ersten Mal in meiner Tauchkariere hatte ich die Gelegenheit in kaltem Gewässer einer imposanten Felswand entlang zu tauchen und in ihren Ritzen nach versteckten Lebewesen zu suchen. Ganz gemütlich liessen wir uns dazu zuerst zum Boden von 27,5 Metern absinken, um dann in Richtung Westen gegen ihr abflachendes Ende hinauf zu tauchen. Dank unseren Lampen konnten wir mehrere grössere Fische (Barsch, Trüschen) und wiederum Krebse entdecken, die sich dort versteckten. Selbst während dem Sicherheitsstopp und dem gemütlichen Austauchen lieferte der grünliche Tauchfilm, der sich vor unseren Augen live abspielte, genügend Spektakel, das mir positiv in Erinnerung bleiben wird.

Auf dem Rückweg in die Schweiz versuchten wir vergeblich unser Glück beim Ergattern ausreichender Parkplätze für unseren Konvoi, weshalb wir nach dem dritten Versuch uns dafür entschieden, getrennter Wege heimzufahren und die Logbucheinträge am darauffolgenden Tag nach dem Tauchtraining nachzuholen.

 Für die herzliche Aufnahme durch alle Clubmitglieder, die nette Betreuung und die Geduld meiner Buddies und ganz, ganz besonders für die reibungslose Organisation des ganzen Weekends durch Dieter bedanke ich mich ganz herzlich.

Gerne bin ich wieder ein nächstes Mal dabei... sofern ihr mich mitnehmen wollt. 

Euer (nur für kurze Zeit noch) Tauchneuling

 

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