Tauchclub Neptun Muttenz

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Clubferien auf Lanzarote, November 2015

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TC Neptun macht vom 18.11. bis 25.11.2015 Ferien auf Lanzarote

(von Adrian Krause) 

Ohne Hetze begebe ich mich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Basler Flughafen. Ich scheine als Erster dort einzutreffen. Doch bald bildet sich die Reisegruppe und wächst auf stattliche acht Taucher (Dieter, Adrian, Maurice, Alexander, Remi, Urs, Stefan und Yvonne) und zwei Nichttaucherinnen (Lilli und Charlotte) an. Die Abfertigung erfolgt reibungslos, obwohl eine gewisse Spannung wegen des bombengeilen Terrors in der Luft liegt (der Anschlag in Paris hat sich tief ins Gedächtnis eingegraben). Urs – irgendwie ist er vom Hauch des Verdachts umgeben – wird herausgefischt und an den Händen auf Sprengstoffspuren untersucht. Gegen 13.30 Uhr hebt das Flugzeug ab (man kann es kaum glauben, aber EasyJet verlangt für den Hin- und Rückflug bloss CHF 191.--). Es vergehen rund 3 ½ Stunden, bis wir unser Ziel erreichen und wieder festen Boden unter den Füssen haben. Die Landung löst ein kribbliges Gefühl aus insofern, als das Flugzeug die Landebahn ansteuert und an Höhe verliert, während der Blick nach draussen das Meer zeigt und eine Wasserung vorgaukelt.

Formalitäten entfallen so weit; es gilt Personenfreizügigkeit im europäischen Raum. Schnell sind die Gepäcke auf dem Laufband. Wir greifen nach ihnen und eilen zum Taxistand, wo wir uns in zwei Fahrzeuge quetschen. Nach wenigen Minuten taucht das Hotel La Geria vor unseren Augen auf. Wir melden uns am Empfang und beziehen anschliessend unsere Zimmer. Alles ist sauber und auf Glanz gebracht. Unser knurrender Magen zerrt uns wie von Geisterhand ins Restaurant. Ein üppiges Büfett lächelt uns an, und wir erlauben uns, uns an ihm zu vergehen. Der Kampf gegen die schweren Augenlider erscheint aussichtslos. Ohnehin ist der Magen prall gefüllt und beginnt die Verdauung, was die Müdigkeit fördert: Dem Ruf unserer Betten folgen wir widerstandslos. 

Am Morgen ist der Himmel blau, und die Sonne strahlt. Die Tauchbasis namens Bahianus hat kurze Öffnungszeiten. Deshalb stürmen einige schon vor dem Morgenessen zu ihr, andere pflegen lieber zuerst das gemütliche Zusammensein am Tisch. Am Schluss wird sowieso jeder bedient worden sein. Die Tauchbasis ist klein und bietet kaum Platz für uns alle. Der Raum ist mit Tauchmaterial voll behangen, beherbergt eine Büroecke sowie eine Füllstation und gewährt eine Badewanne zum Auswaschen der Tauchausrüstung. Michael weist uns ein. Bald merken wir, dass er zackig veranlagt ist. Der wohl ungewollte Befehlston, der den einen oder anderen an die Militärzeit erinnert, ist gewöhnungsbedürftig und kommt nicht bei allen gut an. Statt Kisten erhalten wir Seesäcke, um unsere Sachen zu verstauen. Die Flaschen müssen wir selber nach oben tragen, und es dauert nicht lange, bis die unterirdisch gelegene Tauchbasis mit Vorplatz den Spitznamen ‚Kasernenhof’ verliehen bekommt. 

(Feldwebel) Maurice sorgt auf meine Anregung hin dafür, dass sich eine Menschenkette vom Lager zum Lieferwagen zieht. Die Tauchflaschen wandern von Hand zu Hand und werden im Fahrzeug gestapelt. Die Seesäcke und die Tarierwesten werden obendrauf gepackt. Ab geht die Post. Wir freuen uns auf den ersten Tauchgang. Unsere Fähigkeiten werden unter Wasser kurz geprüft: Maske ausblasen, Wechselatmung. Ich schwebe leicht nach oben, was bei mir nichts Aussergewöhnliches darstellt, solange mein Neoprenanzug nicht voll gesogen und zusammengedrückt ist. Mit aller Kraft stosse ich nach unten und will die Übung beenden. Doch he, (Leutnant) Michael, unser Tauchführer, zieht unbekümmert ab. Wir folgen ihm in ungewohnter Geschwindigkeit. Die Gruppe macht Halt, um ein Seepferdchen zu bewundern. Die  Entdeckung zeigen wir Michael an. Der winkt gelangweilt ab und setzt seinen Turbo-Tauchgang fort. Remi und Urs verlieren wir unterwegs. Remi braucht Zeit fürs Filmen, da kommt ein rastloser Tauchgang ziemlich ungelegen. Wir entsteigen dem Wasser und entledigen uns der Tauchausrüstung. Remi und Urs verspäten sich etwas. Das passt Michael ganz und gar nicht. Etwas aufbrausend erklärt er uns, dass wir entweder in einer Gruppe zusammenbleiben oder eigenständig je zu zweit die Tauchgänge durchführen. Remi rechtfertigt sich mit dem hieb- und stichfesten Hinweis auf seine Langsamkeit, bedingt durch das Filmen. Das lässt Michael nicht gelten, ist gefangen in Sturheit und Uneinsichtigkeit. Dass er Erfahrene abkanzelt, fährt in die Knochen und verdirbt ein wenig die Ferienlaune. Zwar versucht Michael in den nächsten Tagen, den Bruch zu kitten und auf gut Freund zu machen, was aber nicht mehr so recht gelingen will. Wenigstens dürfen wir die letzten vier Tauchgänge mit seiner Ehefrau, Michaela, geniessen. Das Wort ‚geniessen’ darf hier zweifelsfrei ausgesprochen werden. Denn Michaela achtet darauf, dass wir uns unter Wasser gemächlich fortbewegen können, und räumt uns genug Zeit ein, Entdecktes näher zu besehen. 

Die Unterwasserwelt bietet allgemein und überall immer etwas, nur die Kulissen ändern.  Sandaale grüssen uns aufrecht schlängelnd. Ab und an treffen wir auf einen fetten Zackenbarsch. Ein Barrakuda-Schwarm dreht seine Runden und zieht uns in seinen Bann. Tintenfische gebärden sich bald scheu, bald verspielt. Sepien ruhen auf dem Grund; eine junge ist ganz aufgeregt, als sie merkt, dass ihre Tarnung aufgeflogen ist, und legt planlos mal den Vorwärts-, dann wieder den Rückwärtsgang ein. Ein Engelsrochen hat sich eingebuddelt und macht sich so (fast) unsichtbar. Die Landschaft mutet etwas karg und dunkel an, und trotzdem bezaubert sie auf ihre Art. Sie geizt nicht mit der Möglichkeit, in Felsritzen zu leuchten und im Lichtkegel der Lampe etwas Schönes einzufangen. Eine Grotte tut sich auf und lädt zur Erkundung ein. 

Nach jeder Rückkehr heisst es dann wieder, das Tauchmaterial zur Tauchbasis hinunterzuschleppen. Nach der Mühe gönnen wir uns Erholung am hoteleigenen Schwimmbecken, am Strand, in der Bar. Am Abend stürzen wir uns auf das leckere Büfett und schlagen uns den Magen voll. Das Wetter meint es gut mit uns, zumindest für die ersten drei Tage. Die Sonne lacht uns, der Himmel in blaue Farbe getaucht. Dann schlägt es um. Es wird wechselhaft, und Wolken ziehen auf und liegen mit der Sonne im Wettstreit. Der Wind bläst teilweise kräftig. Einige Regentropfen finden den Weg zum Boden. Im Vergleich zum Wetter in der Schweiz, wo Schnee das Land bedeckt, haben wir hier aber doch angenehme Wetterbedingungen. 

Einen unvergesslichen Höhepunkt liefert die Begegnung mit der dritten Art oder, wie die Einheimischen sagen, mit den Gammelfleisch-Zombies. Der Tauchplatz zwingt uns, ein FKK-Dorf zu besuchen, wo sich überwiegend ältere Leute nackt zur Schau stellen. Das von Remi geschaffene Taucherzeichen wird in die Geschichte eingehen: Achtung beim Auftauchen, unbekleideter Mann an der Oberfläche. Dabei schwingt er seinen Arm vor dem Bauch hin und her, und jeder verbindet natürlich schmunzelnd die Bewegung mit dem besten Stück des Mannes. 

Wir unternehmen auch zwei Bootstauchgänge. Die Wracks sind schon ziemlich zerfallen. Das besser erhaltene betauchen wir erst zuletzt, weil es vorher von einer anderen Gruppe belagert worden ist. Die Deko-Zeit mahnt uns leider zu einem kurzen Verbleib.

 Das Tauchgebiet um Lanzarote strömt seine Ruhe aus. Ein Unterschied zu anderen Tauchgefilden drückt sich freilich immer in neue Gefühlsausbrüche aus. Lanzarote zählt nicht zu meinem Lieblingsort, aber ich werde die Insel in Zukunft auch nicht verschmähen um der Abwechslung willen. Die Tauchbasis Bahanius werde ich sicher meiden. Denn das zu erwähnen hätte ich jetzt beinahe vergessen: Das sonderbare Verhalten Michaels bei der Abrechnung zerstört das Bild einer ‚familiär geführten’ Tauchbasis vollends. Tags zuvor hat uns Michael mitgeteilt, wie hoch der Rechnungsbetrag für jeden ausfallen würde, alles gerne auf den Cent abgezählt, dann kommt ihm zu unserem Ärger in den Sinn, dass er ja seine Preise erhöht hat. Es liegt aber, wie ich noch von anderen hören sollte, die alte Preisliste auf. In juristischer Hinsicht wäre diese verbindlich. Unser Ferientraum erhält zur Krönung also einen weiteren Dämpfer, indem wir uns zum Abschied noch abgezockt fühlen dürfen. 

Alles in allem waren es schöne Ferien. Am Hotel und seiner Dienstleistung gibt es nichts zu beanstanden. Das Wetter verwöhnte uns, und die Tauchgänge versetzten uns grundsätzlich in Verzückung. Das ungeniessbare Beiwerk verdrängen wir eben aus dem Kopf. 

Adrian, 8.1.2016


 

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