Tauchclub Neptun Muttenz

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Home Berichte Clubtauchgänge Tauchsafari des TC Neptun vom 28.9. – 5.10.2017 auf dem Roten Meer

Tauchsafari des TC Neptun vom 28.9. – 5.10.2017 auf dem Roten Meer

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Der Wecker schrillt mich am 28.9.2017 um 02.30 erbarmungslos aus dem Schlaf. Die Tauchtasche und den kleinen Rucksack habe ich zum Glück schon zuvor gepackt. Reto erscheint pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk um 03.15, um mich abzuholen. Das Auto wird schnell beladen, und ab geht’s Richtung Flughafen Zürich. Der Verkehr fliesst, oder anders gesagt: Wir bleiben nirgends stecken. Wen wundert’s auch, wenn die meisten noch schlafen. 

Im Flughafen treffen wir die anderen: Maurice, Remo, Dieter, Alexander, Urs, Claude, Stefan, Yvonne und Corinne. Zur Gruppe stossen noch zwei Mitgliedschaftsanwärter: Roland und Andi. Sandra (die bessere Hälfte von Urs) und ihr Sohn werden ab Hurghada nach Marsa Alam weiterreisen. 

Die Abfertigung geht zackig voran. Yvonne erhält einen Anruf. Aufgeregt fragt Doris, unsere Reiseleiterin, nach unserem Verbleib. Irgendwie haben wir uns verpasst. Das ist aber letzten Endes halb so schlimm. Der Flugsteig führt uns alle zusammen. Peter, ehemaliger Tauchlehrer, ergänzt unsere Reisegruppe. 

Das Flugzeug bringt uns sicher nach Hurghada. Man merkt gar nicht, wie die Zeit verrinnt. Kaum abgehoben, schon wieder gelandet. 

Die Einreise wird von keinen besonderen Vorkommnissen gestört; die administrative Abwicklung im Flughafen hält uns nicht lange auf. Mit zwei kleinen Bussen fahren wir zum Schiff, müssen aber zuerst einen Zwischenhalt einlegen, weil das Schiff gerade bereitgemacht wird. Man lädt uns ein, in ein Restaurant einzukehren und etwas zu trinken, und hält uns frei. Die Hungrigen verköstigen sich auf eigene Kosten. 

Dann betreten wir das Schiff. Die Kabinen werden in Beschlag genommen. Wir richten uns ein und stellen die Tauchausrüstung zusammen. Das Schiff nimmt sich nicht luxuriös aus, ist aber sauber und zweckdienlich. 

Doris gibt sich Mühe, Bier zu beschaffen, das auf dem Schiff fehlt. Die Ausbeute ist nicht gerade gross. Es gibt nur ein paar Dosen zu ergattern und unter den Interessierten aufzuteilen. Die Gaumen stellen sich darauf ein, trockengelegt zu werden (zumindest mit Blick auf das Bier). Manche scherzen, dass das Schiff unter der Flagge des Blauen Kreuzes fahren werde. Nun ja, etwas Abstinenz kann nicht schaden, und die Leber freut sich. 

Wir gewöhnen uns über Nacht an die engen Kajüten. Die Reise hat ermüdet, wir sinken in den wohlverdienten Schlaf. Dieser ist erholsam, aber das sollte sich noch ändern. 

Die Hafenbehörde will Geld sehen, sonst wird keine Bewilligung für die Ausfahrt erteilt. Diese Art von Leistung und Gegenleistung ist hinlänglich bekannt. Da macht kein Staat eine Ausnahme. Der Kapitän stillt die behördliche Gier. 

Wir steuern den ersten Tauchplatz namens Little Brother an. Der Wind bläst heftig. Entsprechend türmen sich die Wellen. Im wahrsten Sinne des Wortes reiten wir auf unseren hüpfenden Schlauchbooten. Wir lassen uns ins Wasser plumpsen, und einer der Tauchführer schafft es, Alexander mit der Tauchflasche am Kopf zu treffen und ihm das Tauchflaschenventil-Abzeichen zu verleihen. Die auf der Schädeldecke klaffende Wunde sieht unschön aus. Der Tauchplatz soll reizvoll sein und einen für mehrere Tage halten. Dazu können wir uns keine Meinung bilden. Denn aufgrund des widrigen Wetters beschliessen wir, gen Süden zu fahren, um einen anderen Tauchplatz aufzusuchen. Der Entscheid erweist sich auch deshalb als richtig, weil wir nun erfahren, dass Toni, ein weiterer Gast nebst anderen, sich fast das Gesicht aufgeschlagen hätte, als er vom Schlauchboot auf die Plattform des Schiffs wechseln wollte und das Schlauchboot in einem Wellental plötzlich absackte. 

Reto kümmert sich fürsorglich um Alexanders Wunde. Rund ums Loch werden die Haare entfernt. Es wird entkeimt und abgeklebt. So wird Alexander in die Lage versetzt, weiterhin dem Tauchen zu frönen. Die neue Haarpracht erinnert an diejenige eines Mönchs. Hat Alexander eine neue Berufung gefunden? 

Die Besatzung macht das Schiff bei Daedalus fest. Dort verbringen wir zwei Tage. Der Wellengang ist zum Glück flacher, so dass sich die Ausflüge auf den Schlauchbooten angenehmer anfühlen. Nach dem Tauchgang heisst es: zurück ins Boot. Ich ziehe mich ins Innere und komme mir dabei vor wie eine behäbige Robbe. 

Es besteht die Möglichkeit, auch von der Plattform des Schiffes ins Wasser zu springen und ans Riff zu tauchen. Der eine oder andere nimmt diese Möglichkeit wahr. Der Tauchplatz zieht einen sicher in seinen Bann. Allerdings scheint mir, dass ihm eine gewisse Besonderheit abgeht. 

Für das Auge bieten Flora und Fauna einiges: Korallen, Muränen, Feuerfische, Blaupunktrochen, Grossaugenbarsche, Kugelfische, Sandaale, Weissspitzenhaie, Hammerhaie und vieles mehr. 

Einmal wollen wir den Tauchgang soeben beenden, da entdecken wir in nicht allzu weiter Ferne einen Weisspitzenhai, der in Begleitung von Pilotmakrelen ist. Er steuert direkt auf uns zu und löst ein mulmiges Gefühl in uns aus. Wahrscheinlich treibt ihn die Neugier zu uns, die dann aber der Vorsicht Platz macht. Die blubbernden Gestalten hinterlassen eben einen seltsamen Eindruck, und der Hai dreht ab. 

Das Essen an Bord wird mit Liebe zubereitet. Mit Leckereien werden wir verwöhnt. Bei einigen scheint der Darm sich nicht mit der Kost zu vertragen und äussert seinen Unmut durch einen dünnflüssigen Stuhlgang. Reine Kohlentabletten oder ein einheimisches Produkt schaffen einigermassen Abhilfe. Toni fällt wegen einer Fieberattacke aus und hütet für zwei Tage das Bett. 

Leinen los, das Schiff pflügt das Wasser Richtung Norden. Die Wellen werden wieder höher. Das Schiff senkt sich, wird von einer Welle angehoben. Ein Ruck geht durchs Schiff. Das Ganze wiederholt sich und durchwandert die Nachruhe, die so freilich keine mehr ist. 

Wecken ist an sämtlichen Tagen um 05.30 Uhr. Da erwachen unweigerlich Erinnerungen an den geleisteten Militärdienst. 

Einen Nachttauchgang wollen wir freilich nicht versäumen. Diesen unternehmen wir in der Nähe des Landes. Die Unterwasserwelt entreissen wir mithilfe unserer Tauchlampen der Dunkelheit, in die sie sich hüllt. Flora und Fauna begeistern in diesem Hell- und Dunkel-Spiel. 

Zwei Tauchgänge bei Tage folgen noch, dann neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Bald laufen wir in den Hafen von Hurghada ein. Dort übernachten wir ein letztes Mal auf dem Schiff. Der nächste Morgen zwingt uns zum Abschied. Nach ungefähr 4 h Flug hat uns die Schweiz wieder. 

Die Zubettgeh-Zeremonie von Corinne auf dem Mitteldeck (sie wollte wegen der frischen Luft im Freien sein) werde ich als damaliger Zuschauer vermissen: Matratze hinlegen, Tuch spannen und glatt streichen, Kopf einwickeln, sich gut verpackt hinstrecken. 

Die Ferien waren nicht schlecht. Faulenzen, gut Essen und vor allem Tauchen, was will man mehr? Die Stimmung wurde einzig getrübt vom starken, Wellen verursachenden Wind und von Krankheitserscheinungen. Die Besatzung war stets freundlich und hilfsbereit. 

Von der Tauchsafari erhoffte man sich sicher mehr Tauchgänge. Einerseits verhinderte das widrige Wetter eine reibungslose, mehr Tauchgänge versprechende Planung. Andererseits hätte man diesem Wetter auch ein Schnippchen schlagen können, indem man Tauchgänge in Küstennähe verlagert hätte. 

Zum Abschluss wird noch folgende Bekanntmachung hier angeschlagen: 

Die Neptun-Universität zu Muttenz ernennt aufgrund seiner Verdienste um die medizinische Versorgung seiner Kollegen hiermit 

Herrn Reto Schmid

 zum Doktor der Schiffsmedizin. Der Titel ist weltweit anerkannt und geschützt. 

Adrian Krause, 25.10.2017

 

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